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Fakten zu Bio Siegel sowie Tierwohllabels und was wir besser machen wollen bei MyLocalMeat

In diesem Artikel erklären wir das außergewöhnliche Konzept von MyLocalMeat und warum wir nicht immer Bio anbieten – sondern mehr. Dazu wollen wir ein paar Dinge in diesem Zusammenhang erklären und die Fakten zu Bio Siegel sowie Tierwohllabels zusammentragen, die man für eine Bewertung braucht, warum wir es besser machen wollen und was uns antreibt.

Daher wollen wir folgendes in diesem Artikel aufzeigen:

  • Wir beschreiben die Erwartungen des Verbrauchers, wenn er Fleisch kaufen will.
  • Wir geben eine kleine Einführung in die artgerechte Haltung und was das Tier eigentlich braucht. Dabei auch ein paar interessante Infos geben.
  • Wir zeigen auf, was es aktuell an Tierhaltungsstandards in Deutschland gibt und was es mit den verschiedenen Bio Siegeln und Tierwohl Labels so auf sich hat.
  • Wir zeigen auf, was Bio tatsächlich bedeutet und was das für die Tierhaltung mit sich bringt.

Letztlich wollen wir mit MyLocalMeat für Verbraucher eine konkrete Alternative bieten. Es wird handwerklich hergestelltes Fleisch von grasgefütterten Weidetieren mit viel Auslauf aus verschiedenen Regionen Deutschland angeboten, die von Metzgern schonend und mit minimalem Stress ohne lange Transportwege geschlachtet und handwerklich top veredelt werden.

Was ist die Erwartung eines Verbrauchers, wenn er Fleisch kauft? 

Fangen wir mal damit an, was wir uns als Verbraucher darunter vorstellen, wenn man Fleisch einkauft. Grundsätzlich: Nach verschiedenen Statistiken ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, dass der Mensch Tiere schlachten und essen darf, solange man ihnen vorher ein weitgehend artgerechtes Leben ohne Leiden ermöglicht hat.

Wir denken, die meisten erwarten deshalb, gerade unter einem Bio Siegel oder beim Metzger, dass die Tiere  auf der Weide oder mindestens in großzügigen Ställen glücklich aufwachsen, genügend Platz und Auslauf haben und ein artgerechtes Leben mit frischem Futter auf einer Weide führen, bis sie dann am besten einzeln, ohne Stress und in “Würde” geschlachtet werden. Das wird auch gerne in der Werbung und auf den Produktbildern für ein gutes Gefühl so suggeriert. Nur entspricht dies leider in den seltensten Fällen der Realität. 

Noch vor nicht langer Zeit wurden die Tiere mit deutlich mehr Respekt behandelt, da sie für die Landwirte einen erheblichen Wert besaßen. Das ist heute bei vielen kleineren Betrieben, mit denen beispielsweise MylocalMeat arbeitet auch immer noch der Fall. Mit der Massentierhaltung haben wir als Gesellschaft diesen respektvollen Umgang mit den Tieren „industrialisiert“ und die Tierhaltung auf maximalen Gewinn umstrukturiert und das Nutztier zum reinen gefühllosen Produkt degradiert, das es auszubeuten gilt. Dazu wollen wir ein wenig Aufklärung im Folgenden bieten. 

Natürliche artgerechte Haltung 

Wenn wir uns das Tier anschauen und was dieses in einer natürlichen Umgebung eigentlich braucht, verstehen wir, dass Tierhaltung immer nur ein Kompromiss sein kann. Ein Rind lebt in der Regel in einem hierarchisch organisierten Herdenverband und zieht auf der grasigen Steppe bis zu 40 km am Tag umher. Alle Rinderrassen stammen übrigens vom mittlerweile ausgestorbenen Auerochen ab.

Heutige Rassen sind häufig aber rein auf den Stallbetrieb für Mast- oder Milcherzeugung gezüchtet, so dass die Tiere schnell in einer natürlichen Haltung krank werden würden. Die normale Lebenserwartung liegt bei etwa 20-25 Jahren. Robuste Rassen wie schottische Highlands oder Galloways sind im Handel eher selten vertreten und entsprechen häufig auch nicht dem Geschmack, der dem Verbraucher von der Lebensmittelindustrie in den letzten Jahrzehnten anerzogen wurde. Der wirtschaftliche Ertrag ist bei diesen Rassen geringer, da sie von sich aus langsamer wachsen bzw. zunehmen als dies bei anderen sog. „Fleischrassen“ der Fall ist. Durch die Haltung auf der Weide wird dies noch verstärkt. Dort wird kein Mastfutter sondern Gras und Kräuter angeboten und die Tiere können sich kontinuierlich bewegen. „Jeder Gang macht schlank“ – auch bei Rindern. Dazu gibt es auch einen weiterführenden Artikel bei uns zu Grasfütterung.

Bei Schweinen handelt es sich um hochsensible, reinliche, verspielte und neugierige Tiere, die ein hohes Sozial- und Rangverhalten und darüber hinaus ein faszinierendes Riechorgan (Trüffelschweine, Drogensuchschweine) haben, das tlw. dem von Hunden überlegen ist. Diese lebten ursprünglich in Rotten in größeren Waldgebieten wie das heutige Wildschwein.

Im Zuge der Domestizierung über Jahrtausende hinweg ist das moderne Hausschwein entstanden, das eigentlich nur noch begrenzt in der Natur überleben könnte. Dieses hat immerhin eine übliche Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren. In der Regel frisst das Tier als Allesfresser was es vor Ort und im Boden findet oder ihm Menschen überlassen und nicht, was aus Übersee z. B. dem Amazonasgebiet importiert wird. Letzteres ist aber ein Resultat der Massentierhaltung, da die benötigten Mengen an Futter nicht mehr vor Ort sinnvoll (wirtschaftlich) angebaut werden können. Die durch die Massentierhaltung entstehende Gülle kann nicht mehr, ohne Umweltschäden zu verursachen, verbracht werden.

Die Haltung und Fütterung im extensiven Weidegang und die Zeit auf der Weide ist neben der Art der Schlachtung der Veredelung bzw. Reifung beim Metzger übrigens ein entscheidender Faktor für die Fleischqualität und auch die Färbung des Fleisches bei Schwein und Rind. Dazu gibt es einen weiteren sehr lesenswerten Artikel bei uns. Lange Weideperioden und ein längeres Leben bewirken einfach eine bessere Marmorierung und aromatischeres Fleisch. In jedem Fall kommt eine Weidehaltung mit Unterstellmöglichkeiten einer artgerechten Haltung am nächsten.

Was ist der gesetzliche Mindeststandard in Deutschland für die Nutztierhaltung von Rindern und Schweinen?

Fakten zum gesetzlichen Mindeststandard

In Deutschland werden die grundsätzlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Nutztieren durch das Tierschutzgesetz (TierSchG)  festgelegt. Der Tierschutz selbst wurde 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Eine Konkretisierung der Mindestan­forderungen an die Haltungseinrichtungen, Überwachung, Fütterung und Pflege von Nutztieren erfolgt in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Die TierSchNutztV setzt die EU-Richtlinien zur Haltung von Kälbern, Legehennen, Masthühnern und Schweinen um. Dabei können in einzelnen Ländern auch geringfügig bessere Konditionen bestimmt werden.

Tatsächlich wird in Deutschland erschreckenderweise gesetzlich nur gefordert, dass die Tiere sich nicht selbst verletzen dürfen, ausreichend getränkt und gefüttert werden, sowie vor Witterung und Beutegreifern geschützt werden müssen. Dies kann z.B. durch Kastenstallhaltung gewährleistet werden. Auch dürfen Kastrationen und Schwanzverstümmelungen nur unter Narkose gemacht werden.

Ferner wird dort festgelegt, dass die Tiere “verhaltensgerecht untergebracht sind, dass die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht derart eingeschränkt sind, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden”.

Gesetzlich steht einem Mastschwein mit etwa 50-110 kg Mastgewicht ein Raum von 0,75 m² zur Verfügung, was zur besseren Vorstellung ca. 12 DIN A4 Blättern entspricht. Über 110kg sind es 1 m², was definitiv zu wenig zum Bewegen oder “arttypischen” Leben ist. Für die Ställe muss mindestens 3% der Stallflächen mit Tageslicht beschienen werden.

Die allerwenigsten Schweine leben heute noch in extensiver Weidehaltung. Das war früher noch völlig anders und ist als Haltungsform durch die Industrialisierung der Nutztiere verdrängt worden. Gründe dafür sind u.a. höheren Kosten durch Arbeitsaufwand, schlechtere Futterverwertung durch den Auslauf, Kosten für den doppelten vor Wildschweinen schützenden Zaun, zusätzlicher Platzbedarf durch Wühl- und Auslaufflächen und erhöhten Pflegebedarf. Sicherlich hat das auch mit dem ständig zunehmenden Fleischbedarf seitdem zu tun, der mit einer Weidehaltung nicht mehr gewährleistet werden kann.

In Deutschland wurden 2017 laut Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung mit 27,1 Millionen Schweinen in 23.500 Mastbetrieben, mit im Schnitt 1.300 Tieren (allerdings sind in NRW und Sachsen-Anhalt die Betriebe größer als 6000 Tiere im Schnitt), die meisten Tiere in der EU gehalten. Damit fallen auch jedes Jahr etwa 208 Millionen m³ Gülle an, die große Grundwasserverunreinigungen verursachen.

In der Regel wird ein Mastschwein nach intensiver Mästung in einem Alter zwischen sechs und sieben Monaten und einem Lebendgewicht von durchschnittlich 110 kg geschlachtet. Ferkel benötigen etwa 2 kg Futter um 1 kg Fleisch anzusetzen. Dabei trinken sie zwischen 10 und 30 l Wasser am Tag. Im Schnitt nehmen diese im intensiven Mastbetrieb pro Tag 0,8-1,2 kg zu. Ab sechs Monaten wird es für den Mäster zu teuer, da ein weiterer Fleischzugewinn nur noch langsam und unter nicht gewünschter Fetteinlagerung zunimmt. Für den Transport zum Schlachthof dürfen nur 8 Std und mit bestimmten Fahrzeugeinrichtungen auch 24 Std. eingeplant werden.

In der intensiven Masttierhaltung bei Rindern wurden 2017 mehr als 12,4 Millionen Mastrinder in Deutschland gehalten und in der Regel nach einer Mastzeit von 18-20 Monaten geschlachtet. In dieser Massentierhaltung haben die meisten Tiere nie eine Wiese gesehen. Deutschland ist übrigens zweitgrößter Rinderhalter der EU nach Frankreich. Die meisten Rinder entstammen Zweinutzungsrassen (z.B. Fleckvieh, auch bekannt unter der Bezeichnung „Simmentaler“), die für die Milch- und Fleischproduktion eingesetzt werden. Es gibt aber auch reine Fleischrassen mit einem starken Muskelwachstum wie Limousin, Angus oder Charolais. Rinder nehmen etwa 1 bis 1,5 kg bei 16-20 kg Futter pro Tag zu. Dabei trinkt eine Kuh normalerweise etwa 60 l Wasser am Tag um etwa 20 l Milch zu produzieren. An heißen Tagen kann eine Kuh auch mal bis zu 120 l trinken. Laut einer Information der  Landwirtschaftskammer können Kühe erstaunlicherweise bis zu 20 l Wasser pro Minute trinken.

Tatsächlich gibt es keine gesetzliche Richtlinien bzgl. des Platzangebots für Mastrinder. Die immerhin vor 2019 zuvor vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft mit 6 m²/Tier angegebene Mindestanforderung an das Platzangebot für Milchkühe wurde in „keine Angabe“ geändert. Zulässig sind 29 Stunden Transportzeit, es soll aber grundsätzlich eine Transportdauer von 8 Std. eingehalten werden. Auch der Auslauf ist nicht vorgeschrieben. Wenn man bedenkt, dass Rinder bei der Schlachtreife laut Statista nach 20 Monaten im Schnitt 650 kg Lebendgewicht (etwa 330 kg „Schlachtausbeute“) wiegen, sind 6 m² sehr wenig. Bei den reinen Fleischrassen sind Gewichte bis 700 kg üblich. Bei Bullen sogar bis zu 1000 kg.

Diesen unwürdigen Zustand kann v.a. der Verbraucher durch ein geändertes Kaufverhalten verbessern. Aber auch gesetzlich kann einiges getan werden, wenn man die Mindeststandards deutlich anhebt. Entscheidend ist, sich wirklich darüber zu informieren, wo das Fleisch herkommt.

Was bedeutet das staatliche Tierwohlkennzeichen? 

Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Februar 2019 beschlossene und im Sommer 2020 eingeführte freiwillige Tierwohlkennzeichen stellt “kein Haltungskennzeichen” (wie zum Beispiel bei der Eierkennzeichnung) dar, sondern solle einfach mehr Tierwohl auszeichnen. Eine Verpflichtung zur Kennzeichnung sei mit diesem “freiwilligen Ansatz nicht vereinbar, da niemand gezwungen werden kann, den gesetzlichen Standard zu überschreiten”. Damit möchte das BMEL Deutschland zum Vorreiter beim Tierwohl machen und entspricht einem Wunsch von 81% der Verbraucher eine staatliche Tierwohlkennzeichnung zu bekommen. Dafür sollen 100 Millionen EUR für Werbung ausgegeben werden dürfen.

Klingt super. Was heißt das nun konkret?

Fakten zum Tierwohlkennzeichen:

Das vom Landwirtschaftsministerium vorgestellte Label soll künftig drei Stufen neben dem gesetzlichen Mindeststandard beinhalten und sieht u. a. folgende Voraussetzungen z.B. für Schweine vor:

 Gesetzlicher MindeststandardStufe 1Stufe 2Stufe 3
Platz im Stall0,75 m²0,9 m²1,1 m²1,5 m² (davon 0,5 m² Auslauf)
Beschäftigungfreie MaterialwahlZugang zu Raufutter und organischem Beschäftigungsmaterial mit Wahlmöglichkeitwie Stufe 1wie Stufe 1
Säugezeit für Ferkel21 Tage25 Tage28 Tage35 Tage
Schwänze kürzenIm Einzelfall erlaubtIm Einzelfall erlaubt, jedoch strengere Auflagenverbotenverboten
Betäubung bei der Kastrationerst ab 2021jajaja
Transportzeit24 h8 h8h
Tierwohlkennzeichen Übersicht

Bei der Schlachtung müssen die Tiere bei Wartezeiten im Transporter besser vor Witterungseinflüssen (v.a. Sonne) geschützt sein und im Wartebereich sollen mehr Tränken, größere Buchten und kürzere Wartezeiten eingehalten werden. Die Betäubung und Schlachtung sollen durch Betäubungskontrollen und Videoüberwachung verbessert werden.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen wurde zu Recht schon vor der Einführung von Tierschutz- und Verbraucherschutzverbänden heftig kritisiert. Da es keine klare rechtliche Definition von Tierwohl gibt, kann natürlich auch weiterhin die Fläche von 16 DIN A4 Blättern Stall und 8 DIN A4 Blättern für den Auslauf für ein 110kg schweres Schwein als toll für das Tierwohl definiert werden. Ob das auch das Schwein gut findet? Immerhin hat der Gesetzgeber keine Tierwohlverbesserung suggerierende Bezeichnungen, wie „Premium“ bei dem folgenden Tierwohllabel, sondern nur Stufen verwendet.

Ein Tierwohlkennzeichen für Rinder liegt weiterhin nicht vor.

Insgesamt ist das Tierwohlkennzeichen ein erster Schritt, entspricht aber nicht der Erwartung eines Verbrauchers ein halbwegs artgerecht gehaltenes Tier mit dieser Kennzeichnung zu kaufen. Eine Verdoppelung des Platzes im Stall in der besten Stufe klingt zwar gut für den Verbraucher, geht aber von einer viel zu geringen Ausgangslage aus. Gut wäre auch eine weitere Stufe „Weidehaltung“ mit mindestens 200 Tagen auf der Weide im Zusammenhang mit einer Umstellung eine Haltungskennzeichen wie bei Eiern. Darüber hinaus bewirkt die Freiwilligkeit nicht wirklich ein Änderungsanreiz für die Hersteller. Die Erzeuger sollten verpflichtet werden, die Labels auf jedem Fleischprodukt als Information für den Verbraucher zu führen und eine bestimmte Quote zu erreichen, die beständig verbessert wird. Was benötigt wird ist eine deutliche Erhöhung des gesetzlichen Mindeststandards und eine Definition von Tierwohl. Kein privater Tierhalter würde sein Hund oder Katze so halten.

Was bedeutet das Tierwohllabel der Initiative Tierwohl? 

Kommen wir zu einem weiteren Label und zwar von der Initiative Tierwohl aus dem April 2019. Dies ist ein Zusammenschluss der Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und einiger Lebensmittelketten wie Aldi, Edeka/Netto, Kaufland/Lidl, Rewe/Penny, die vermutlich einfach etwas gegen die schlechte Presse durch Massentierhaltung tun wollten. Diese zeichnen abgepackte Eigenmarkenprodukte von Schwein, Rind und Hühnern mit einem vierstufigen Label der Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH aus. Diese Kennzeichnung bezieht sich aber nur auf abgepackte Eigenmarkenprodukte und nicht auf Frisch- oder Tiefkühlware. 

Ausführliche Fakten zum Tierwohllabel:

 Haltung und AuslaufFutterTiergesundheitTransport zum Schlachthof
Haltungsform 1 (Stallhaltung)< 110 kg: 0,75 m2 / Schwein  

1,5 m2 bis 2,2 m2 / Rind nach Gewicht

Kein Auslauf vorgeschrieben.
konventionelles Futter Gentechnik erlaubtKeine Angaben zu Kastration, Abschneiden von Ringelschwänzen oder zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika.Keine Angaben zur Transportdauer.
Haltungsform 2 (Stallhaltung plus)< 110 kg: 0,825 m2 / Schwein

1,5 m2 bis 3 m2 / Rind nach Gewicht

Kein Auslauf vorgeschrieben. Bei Rindern keine Anbindehaltung

Zusätzliches organisches Beschäftigungsmateria (z.B. Weichholz, Seile oder Heu/Stroh).
konventionelles Futter
Gentechnik erlaubt
Keine Angaben zu Kastration, Abschneiden von Ringelschwänzen oder zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika.Keine Angaben zur Transportdauer.
Haltungsform 3 (Außenklima)<110 kg: 1,05 m²/ Schwein

1,5 m2 bis 4 m2 / Rind nach Gewicht

Kein Auslauf vorgeschrieben, aber Stallhaltung mit Außenklimareizen (Fenster).

Zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial.
konventionelles Futter
Gentechnik verboten
Keine Angaben zu Kastration, Abschneiden von Ringelschwänzen oder zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika.Keine Angaben zur Transportdauer.
Haltungsform 4 (Premium, Bio Öko Verordnung)< 110 kg: 1,5 m2 / Schwein

1,5 m2 bis 5 m2 / Rind nach Gewicht

Auslauf vorgeschrieben.

Zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial.
Konventionelles Futter; mind. 20 % aus eigenem Betrieb oder aus der Region.
Gentechnik verboten.
Keine Angaben zu Kastration, Abschneiden von Ringelschwänzen oder zur prophylaktischen Gabe von Antibiotika.Keine Angaben zur Transportdauer.
Tierwohllabel der Initiative Tierwohl

Diese Haltungsformkennzeichnung wird wie das staatliche Kennzeichen sowohl von Tierschutzorganisationen und Verbraucherschützern kritisiert. Es gibt keine konkreten Angaben zu Verbesserungen bei Schlachtungen. Es gibt auch keine Sanktionskataloge sondern es wird immer im Einzelfall betrachtet. Es gibt zwei Prüfungen im Jahr, wobei nur eine die Stallkriterien unangekündigt überprüft.

Eine Studie der Greenpeace mit Umfragen bei den teilnehmenden Discountern im April 2019 hat ergeben, dass etwa 90% von allem so gekennzeichneten Fleisches in Haltungsform 1 (also den schlechtesten Bedingungen) vorliegen. Bei Schweinen wurden nur 2,2% und bei Rindern 7,3% in der Haltungsform 4 (unter den „besten“ Bedingungen) ermittelt.

Sowohl das staatliche Tierwohlkennzeichen wie auch das Tierwohllabel der Initiative Tierwohl sind daher in aller erster Linie als Marketingaktionen zu sehen, die jedoch dem Tier kaum „wohl“ tun.

Was bedeutet Bio für das Tierwohl?

Fakten und Überblick über die wichtigsten Bio-Richtlinien der Bio-Verbände:

 EU-Bio-Siegel

(seit 2010, Novelle 2018/848 März 2020)
Bioland

(451.000 ha mit 8154 Landwirten)
  Demeter

(seit 1924, 93.000 ha mit 1700 Landwirten)
  Biokreis

(71.000 ha mit 1326 Landwirten)
Zusammensetzung der Produkte95 % der Zutaten ökologischer Herkunft100 % der Zutaten ökologischer Herkunft  100 % der Zutaten ökologischer Herkunft95 % der Zutaten ökologischer Herkunft
Schweinehaltung    Stallfläche 0,6 – 1,5m2, nach Gewicht bis 110kg, ab 110kg bleibt die Fläche gleich

Außenfläche 0,4 – 1,2m2 nach Gewicht bis 110kg 

maximal 14 Mastschweine pro Hektar bewirtschafteter Grundfläche und Jahr für das angebaute Futter und das Ausbringen der Gülle;
Stallfläche 0,8 – 1,2 m2

Außenfläche 0,6 – 1,0 m2

max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr
Stallfläche 0,8 – 1,2 m2

Außenfläche 0,6 – 1,0 m2

max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr. Im Schnitt 20 Tiere pro Betrieb. “Allen Nutztieren muss Auslauf und/oder Weidgang” gewährt werden”.
Stallfläche 0,8 – 1,5 m2

Außenfläche 0,6 – 1,2 m2  

max. 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr
KuhhaltungStallfläche 1,5-6m2, je nach Gewicht

Außenfläche 4,5 m2 

maximal 2 Milchkühe pro bewirtschafteten Hektar und Jahr
Stallfläche 6 m2

Außenfläche 4,5 m2

maximal 2 Milchkühe pro Hektar und Jahr
Stallfläche 6 m2

Außenfläche
4,5 m2

Maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr, Enthornung ist nicht zulässig. Tiere werden in kleinen Herden gehalten.
Stallfläche 6 m2

Außenfläche 4,5 m2

maximal 2,0 Milchkühe pro Hektar und Jahr
Gentechnisch verändertes Futterverboten nach Art.4+9 (EU)Verordnung 834/2007verboten (Erzeugnisse müssen ohne Verwendung von GVO und/oder GVO-Derivaten hergestellt werden)verbotenverboten
konventionelles Mischfuttererlaubt, Schweinen und Geflügel bis max. 10 %, Rindern, Ziegen und Schafen 0 % verbotenverbotenverboten
Futterzukauferlaubterlaubt, aber max. 50 %erlaubt, aber max. 50 %erlaubt, aber max. 50 %
TiertransporteUnter 6 Stunden

Tiertransporte sollten mit wenig Stress einhergehen,

Tiere dürfen weder mit Stromstößen getrieben werden noch mit allopathischen Beruhigungsmitteln behandelt werden
Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben.

Max. Transport jedoch nur 4 Stunden und max. 200 km Entfernung.
Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben,

Entfernung zur Schlachtstätte nicht mehr als 200 km
Kurze Transportwege sowie der Transport von Schlachtkörpern sind anzustreben.

Max. Transportdauer jedoch nur 4 Stunden bei max. 200 km Entfernung.
Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasiserlaubt max. 6 kg/ha u. Jahrnur im Gartenbau und Dauerkulturen max. 3 kg/ha u. Jahr erlaubt, Hopfenbau max. 4 kg/ha u. Jahr, Kartoffelanbau nur mit Ausnahmegenehmigungerlaubt max. 3 kg/ha u. Jahr nur in Dauerkulturen (Weinbau, Obstbau, Hopfenbau), Kupfereinsatz bei Kartoffeln und Tomaten nicht erlaubterlaubt max. 3 kg/ha u. Jahr (auch Kartoffeln); im Hopfenanbau max. 4 kg/ha u. Jahr
Überblick über die EU Bio-Verordnung und der wichtigsten dt. Bio Verbände

Dies waren die wesentlichen Bio Verbände, es gibt aber auch noch Ecoland, Naturland, Gäa e.V., die aber vergleichsweise kleine Anteile haben. Es gibt aber darüber hinaus noch jede Menge Bio Siegel von Discountern (z.B. Bioness, BioBio, Bio Wertkost, Naturkind, Naturgut, Bio Sonne, Prima Bio, Alnatura, Bio Greno, real Bio, Rewe Bio), die zwar immer gut für die Werbung und das Markenimage klingen aber häufig nicht ansatzweise die Anforderungen von den ökologischen Verbänden erreichen. Verwirrt? Zur Recht. Da blickt keiner mehr durch. Da müsste es wirklich ein staatliches Siegel geben damit der Verbraucher sich nicht überall einarbeiten muss.

Die Bio Siegel verzeichnen laut dem Branchenreport 2020 der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft in den letzten Jahren einen stetigen Zuwachs mit 10% pro Jahr und hatte 2019 ein Volumen von über 11,9 Mrd. EUR was Deutschland zum größten Bio Markt der EU (40,6 Mrd. Euro 2018) macht. Leider ist es aber immer noch so, dass in Deutschland nur 10,1% aller Landwirtschaftlicher Flächen von 33.698 Höfen (12% aller Höfe 2019) nach Bio Kriterien bewirtschaftet werden. In Deutschland werden dagegen leider nur 5,1% aller Rinder und unter 0,6% (das sind etwa 157.000 von 27.000.000) Schweine nach Bio Kriterien gehalten.

Bei der Haltung und den Tiertransporten unterscheiden sich Bio- und konventionelle Haltung leider oft kaum. Auch andere Bio Labels wie “Vier Pfoten”, „Neuland“ sind da nicht besser in ihren Kriterien. Tiere aus Bio-Haltung werden ebenfalls in großen Schlachthöfen geschlachtet, da es häufig schwierig für Metzger ist die Logistik einer komplett getrennten und Bio zertifizierten Schlachtlinie aufrechtzuhalten. 

Die Bio Anforderungen beziehen sich mehr auf den ökologischen und biologischen betriebenen Futteranbau in der Landwirtschaft für die Tiere als auf eine gute Haltung, geschweige denn Schlachtung der Tiere. Damit beeinflusst Bio nur einen kleinen Teil der Fleischqualität. Natürlich ist eine gute Ernährung wichtig für ein gutes Produkt, sie stellt leider nur einen kleinen Baustein zu guter Fleischqualität dar. Der Verbraucher kann sich bei Bio immerhin vergleichsweise sicher sein, dass die Tiere gentechnikfrei mit überwachtem und ökologisch angebautem Futter aufgezogen wurden und die Gülle wieder auf einer ausreichenden Fläche entsorgt wird. Auch hier sollte man immer selbst schauen, woher das Fleisch kommt und wie es erzeugt wurde, denn auch bei Bio können Betriebe tausende Tiere halten. Es gibt aber auch jede Menge vorbildlicher, oftmals kleinere Bio Höfe, die darüber hinaus auch Weidehaltung für Schweine und Rinder ermöglichen!

Hier wäre es gut, wenn auch die Bio Siegel eine stark verbesserte Haltung und Schlachtung in ihre Kriterien mit einbeziehen würden. Dennoch ist Bio, gerade die von den Bio Verbänden, aus Umweltgesichtspunkten definitiv vorzuziehen. Für die Tierhaltung kann es eine Verbesserung bedeuten.

Fazit

Es sieht also nicht gut aus für das Tierwohl für Nutztiere in Deutschland. Die Einführung von verschiedenen Tierwohllabels grenzt an Verbrauchertäuschung und ist mit Sicherheit nicht das was der Verbraucher darunter erwartet.

Immer noch leben etwa 98% aller Tiere ausschließlich in Ställen unter absurden Platzverhältnissen und bekommen Weiden oder Tageslicht nicht zu sehen und werden in großen Schlachthöfen unter häufig üblen Bedingungen geschlachtet. Das Tier wird trotz seiner im Grundgesetz 2002 verankerten Tierschutzrechte zur reinen Produktionsmaschine degradiert. Mit Sicherheit kann man auch sagen, dass jegliche Tierwohlkennzeichnung weit von einer artgerechten Haltung entfernt ist und nur eine echte Weidehaltung dies leisten kann.

Bei genauer Betrachtung der Alternativen wird jedoch auch klar, dass ein Bio Label vor allem die Seite der Futterherstellung betrachtet und weniger die Haltung und schon gar nicht die Schlachtung der Tiere. Insgesamt gibt es unter Bio häufig eine bessere Haltung und umweltschonende Landwirtschaft, die aber eine artgerechte Haltung auf der Weide nicht garantiert. Die Transportbedingungen können etwas besser sein, müssen es aber nicht, solange die sehr niedrigen Kriterien zu Haltung und Transport eingehalten werden. Viele kleine landwirtschaftliche Betriebe produzieren, vor allem Rindfleisch, weit besser als der gesetzliche oder der Bio Standard es vorschreibt. Durch die vergleichsweise geringe Anzahl an Tieren haben sie allerdings – ob mit oder ohne Bio Siegel – heute jedoch keine Vorteile in der Vermarktung. Da könnte ein „Weidehaltung“ Haltungssiegel sehr helfen.

Wir von MyLocalMeat bieten mit unserem Konzept Verbrauchern, Landwirten und Metzgern eine echte Alternative: Tiere von regionalen Bauern, die auf der Weide stehen und im Herdenverband in natürlicher Umgebung langsam aufwachsen. Das kann mit Bio aber auch ohne Bio Label gehen, solange die Tiere auf der Weide stehen können und auch Winterfutter aus eigenem Anbau fressen dürfen. So gehaltene Tiere liefern fein marmoriertes, geschmackvolles Fleisch. Durch die Schlachtung der Weiderinder bei einem in der Nähe befindlichen Metzger haben wir sehr kurze Transportwege und eine schonende handwerkliche Einzelschlachtung mit minimalem Stress.

Die Metzger können ihr stationäres Geschäft mit einem Online Kanal verbinden und meisterlich perfekt gereiftes Fleisch anbieten. So ist auch gewährleistet, dass alle Produkte frisch und sofort verfügbar sind. Dies gilt genauso für Braten und Schmorfleisch wie auch internationale Grill Cuts.

Natürlich können die vorgeschlagenen Pakete mit den individuellen Produkten bei MylocalMeat erweitert werden.  Damit können wir für den Metzger nach dem Nose to Tail Prinzip fast das gesamte Tier vermarkten. Aktuell wird ausschließlich das besonders zarte Fleisch von Weiderindern – und dabei nur Färsen – angeboten. Wegen der Nachfrage bieten wir in sehr geringem Umfang auch Schweinefleisch an, was voraussichtlich ab Januar 2021 ebenfalls von Weideschweinen kommt. Das Programm wird durch eine Anzahl an Paketen mit Spezialitäten vom Wild ergänzt und bietet mit Produkten von Wildschwein, Reh und Hirsch bereits jetzt eine artgerecht gehaltene und sehr leckere Alternative zu Schwein.

Was kann man also konkret als Verbraucher tun?

  1. Besseres Fleisch essen von Tieren aus Weidehaltung wie bei MyLocalMeat oder vom regionalen selbstschlachtenden Metzger. Genau das ist ja unser Anliegen: Eine einfach und schnell zugreifbare regionale Alternative für Verbraucher bieten, die Wert auf eine artgerechte Freiland Haltung legen und perfekt gereiftes frisches Fleisch essen wollen. Aufgrund unserer Pakete muss das nicht mal viel teurer sein als im Supermarkt.
  2. Probieren Sie mal Wild aus. Hirsch, Reh und Wildschwein leben in der freien Natur und werden im Gehege oder im Wald geschossen. Bessere Haltungsbedingungen gibt es nicht. Bei MyLocalMeat können Sie mit unseren Wild Paketen eine echt schmackhafte Alternative finden.
  3. Seien Sie sicher, wo ihr Fleisch herkommt. Fragen Sie ihren Metzger oder schauen Sie genau hin, besuchen Sie den Landwirt wie bei MyLocalMeat doch einfach. Achten Sie darauf, dass der Metzger ihrer Wahl auch tatsächlich noch selbst regionale Weidetiere schlachtet, denn nur noch 1/3 aller 11.000 Metzger in Deutschland schlachten noch selbst.
  4. Wenn Sie dann doch im Supermarkt Fleisch einkaufen wollen ist Bio (besonders die höherwertigen Bio Labels, die über das EU Bio Siegel hinausgehen) oder wenn es sein muss die höchste Haltungsklasse 4 immer besser als der Rest, sofern der Supermarkt das überhaupt im Angebot hat. Alles andere ist Billigfleisch, das vor allem nichts für das Tierwohl, Umweltschutz und die Fleischqualität bringt.

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